Praxisbericht

Falldokumention

03.08.22

Einfache adhäsive Befestigung

Moderne Universal-Lösungen

adhäsive Befestigung, universelle selbstadhäsive Befestungskomposite

PD Dr. José Ignacio Zorzin

Selbstadhäsive Befestigungskomposite vereinfachen das Eingliedern indirekter Restaurationen. Bei ihrer Verwendung ist keine Vorbehandlung der Zahnhartsubstanz nötig. Zudem verfügen selbstadhäsive Befestigungskomposite über ein breites Indikationsspektrum, jedoch muss man im Praxisalltag in einigen Fällen auf die konventionelle adhäsive Befestigung zurückgreifen. Dies führt dazu, dass die Praxis sowohl ein selbstadhäsives Befestigungskomposite wie auch ein konventionelles Befestigungssystem vorhalten und der Zahnarzt sich beim Einsetzen für eines entscheiden muss.

Universelle selbstadhäsive Befestigungskomposite sind eine interessante Lösung für dieses Problem. Sie können selbstad­häsiv verwendet werden oder in Kombination mit einem dazugehörigen Primer auch als konventionelles adhäsives Befestigungskomposit. Die folgenden klinischen Fälle zeigen die Möglichkeiten der Anwendung eines universalen selbstadhäsiven Befestigungskomposit (G-CEM ONE, GC). Der erste Fall zeigt das selbstadhäsive Einsetzen einer monolithischen Zirkonoxid-Brücke und der zweite Fall das konventionelle adhäsive Befestigen von zwei Lithiumdisilikat-Inlays (Initial LiSi Press, GC).

Fall 1: Dreigliedrige monolithische Zirkonoxid-Brücke
Der wurzelkanalbehandelte Zahn 24 musste aufgrund einer Wurzellängsfraktur extrahiert werden. Es wurde entschieden, die Lücke mit einer dreigliedrigen monolithischen Zirkonoxid-Brücke zu versorgen. Nach der adhäsiven Füllungstherapie der Pfeilerzähne 23 und 25 erfolgte deren atraumatische Präparation mit einer isogingivalen Hohlkehle.
Nach der Abformung wurde ein Provisorium angefertigt und mit einem eugenolfreien, provisorischen Zement befestigt (Freegenol, GC Europe) und versäubert.
Zum Befestigen der provisorischen Versorgung sollte kein eugenolhaltiger Zement verwendet werden, da Eugenol die Polymerisation und Haftung von Adhäsiven und Kompositen beeinträchtigt.
Nach der Fertigstellung der monolithischen Zirkonoxid-Brücke erfolgte das Einsetzen. Hierzu wurde das Provisorium abgenommen und anschließend alle Reste des Befestigungszements mit Scaler und einem Poliernapf mit Bimsmehlaufschlämmung entfernt (Abb. 1). Die Farbwirkung, Passgenauigkeit und die Okklusion der Brücke wurden überprüft. Vor dem Einsetzen müssen alle zu verklebenden Flächen der Restauration sauber und leicht angeraut sein. Vor allem Speichel haftet, aufgrund seiner Polarität, sehr stark an der Oxidkeramik und muss vor dem Verkleben gründlich entfernt werden. Eine Reinigung mit Alkohol ist ungeeignet und Phosphorsäure absolut kontraindiziert.
Bei Zirkonoxid erfolgt das Reinigen und Anrauen der Klebeoberflächen, nach der Einprobe, am besten durch Sandstrahlen mit Aluminiumoxidpulver (35 µm Korngröße) bei niedrigem Druck (circa 1,5 bar). Idealerweise sollte dies chairside, zum Beispiel mittels Airsonic Mini Sandblaster, (Hager und Werken) stattfinden. Hierfür bietet es sich an, die zu bearbeitenden Flächen, wie im vorliegenden Fall, mit einem wasserfesten Filzstift zu markieren (Abb. 2), bevor man diese anschließend sandstrahlt (Abb. 3). Alternativ, wenn die Restauration schon im Labor angeraut wurde, kann man nach der Einprobe auf einen Restaurationsreiniger zurückgreifen, zum Beispiel Ivoclean (Ivoclar Vivadent) oder Katana Cleaner (Kuraray Noritake).
Vor dem relativen Trockenlegegen des Arbeitsbereichs, mit Watterolle und Parotispflaster, wurden die Zahnstümpfe nochmals gereinigt und anschließend kontrolliert um sicherzustellen, dass diese speichel- und blutfrei waren. Vor dem Einsetzen mit selbstadhäsiven Befestigungskompositen darf das Dentin nicht „übertrocknet“ sein, sondern sollte seidenmatt feucht erscheinen. Im vorliegenden Fall war ein „Re-wetting“ nötig. Dazu wurde ein Micro­brush aus circa 30 cm Entfernung mit Luft- Wasser-Spray benetzt. Mit dem so präparierten Microbrush erfolgte das „Re-wetting“ der Zähne.
Um eine vorzeitige Lichtpolymerisation des selbstadhäsiven Befestigungskomposits beim Einsetzen zu verhindern, wurde das Umgebungslicht reduziert. Dann erfolgte die Applikation des universellen selbstadhäsiven Befestigungskomposits G-CEM ONE in die Innenflächen der Kronen (Abb. 4) und das Einsetzen der Brücke mit kräftigem Druck (Abb. 5) .
Zum Versäubern kam die Tack-Cure-Technik zum Einsatz. Hierzu wurde der Lichtleiter des Lichthärtegerätes eine Sekunde über den überschüssigen Zement geführt, bis dieser eine gummiartige Konsistenz erreicht hatte. Die erhärteten Zementüberschüsse ließen sich einfach mit einem Scaler entfernen (Abb. 6). Das Erreichen der perfekten Konsistenz zum Entfernen der Zementüberschüsse hängt vom verwendeten Lichthärtegerät ab. Deshalb sollte man vorab üben und ermitteln, welches für diesen Zweck die beste Kombination aus Zeit, Intensität und Entfernung für das verwendete Lichthärtegeräts ist.
Nach dem vollständigen Entfernen der Zementüberschüsse wurden die Klebefugen, die Okklusions- und Artikulationsbewegungen überprüft (Abb. 7).

Fall 2: Glaskeramikrestauration
Im Rahmen der Kontrolluntersuchung wurde festgestellt, dass die Restaurationen der Zähne 47 und 46 insuffizient waren. In Lokalanästhesie und unter Kofferdam (isodam Kofferdam heavy, Sigma Dental Systems) erfolgte das Entfernen der Füllungen und der Karies (Abb. 8). Der Einsatz von Kofferdam hat mehrere Vorteile in dieser klinischen Situation: erhöhter Patientenkomfort, Infektionsprophylaxe für das Behandlungsteam und perfekte Übersicht; das spart Zeit.
Aufgrund der ausgeprägten oro-vestibulären Ausdehnung der Kavitäten im Approximalbereich wurde entschieden, die Zähne indirekt mit Glaskeramikrestaurationen zu versorgen. Auf die Dentinanteile der Kavitäten wurde ein Universaladhäsiv im Self-Etch Modus appliziert (Abb. 9) (G2-Bond Universal, GC), dünn verblasen und lichtgehärtet.
Anschließend wurden Unterschnitte und Unebenheiten mit einem Komposit ausgeblockt (G-ænial A3, GC Europe) und die Präparation der Kavitäten durchgeführt Abb. 10) .
Es erfolgte eine Korrekturabformung und die Herstellung der Provisorien. Diese wurden, wie zuvor beschrieben, mit einem eugenolfreien, provisorischen Zement befestigt (Freegenol, GC Europe) und versäubert.
Die definitiven Restaurationen wurden mit einer Lithiumdisilikat-Presskeramik hergestellt und farblich individualisiert (Initial LiSi Press A3-MT und Initial IQ Lustre Pastes One, GC) (Abb. 11). Nachdem die Provisorien entfernt und die Kavitäten gründlich gereinigt worden waren, wurden die Restaurationen einprobiert und auf Passung und Ästhetik kontrolliert. Dies sollte unter Kofferdam erfolgen, um das Risiko einer akzidentellen Aspiration zu minimieren und die Keramik vor Schäden – durch eventuelles Zubeißen des Patienten – zu schützen. Die zuvor genannten guten Gründe für Kofferdam sind auch in diesem Fall gültig.
Nach der Einprobe erfolgte das Ätzen der Klebeflächen der Inlays mit 5%iger Flusssäure für 20 Sek. (IPS Ceramic Ätzgel, Ivoclar Vivadent) (Abb. 12). Durch das Ätzen entsteht eine saubere Oberfläche mit einem retentiven Mikrorelief. Damit die hydrophile Glaskeramik sich mit dem eher hydrophoben Befestigungskomposit verbindet, wurden die geätzten Flächen mit einem Universalprimer (G-Multi Primer, GC Europe) silanisiert (Abb. 13). Nach dem Vorbehandeln der Restaurationen wurden die Schmelzflächen der Kavitäten mit 35%igem Phosphorsäuregel für mindestens 15 Sek. geätzt (Abb. 14), danach mit Wasserspray gründlich gespült und mit Druckluft getrocknet (Abb. 15).
Aufgrund der Glaskeramik und der nichtmakroretentiven Präparation, erfolgte das adhäsive Befestigen der Inlays mit dem universellen selbstadhäsiven Befestigungskomposit in Kombination mit seinem korrespondierenden Primer (G-CEM ONE Adhesive Enhancing Primer, GC), der mit einem Bürstchen auf die präparierten Schmelz- und Dentinoberflächen aufgetragen wurde (Abb. 16), für 10 Sek. ruhen gelassen und 5 Sek. bei maximalem Luftdruck getrocknet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Intensität des Operationslichts und der Umgebung reduziert, um ein vorzeitiges Abbinden des universellen selbstadhäsiven Befestigungskomposits zu verhindern.
Der Adhesive Enhancing Primer enthält einen chemischen Initiator für G-CEM ONE. Sobald das universelle Befestigungskomposit mit dem Primer in Kontakt kommt, wird die Abbindereaktion beschleunigt. Aus diesem Grund wurde zuerst das Inlay am Zahn 47 eingesetzt und danach das Inlay an 46.
Das Einsetzen erfolgte mittels der Tack-Cure-Technik, wie zuvor beschrieben, das überschüssige Befestigungsmaterial wurde gründlich entfernt (Abb. 17) und anschließend ausgiebig lichtgehärtet. Vor Abnahme des Kofferdams wurden die Klebefugen mit Polierscheibchen (Sof-Lex Polier­scheiben, 3M Oralcare) und Polierstreifen (Epitex, GC) ausgearbeitet. Nach Abnahme des Kofferdams erfolgte die Okklusions- und Artikulationskontrolle (Abb. 18).

Fazit
Die beiden vorgestellten Fälle veranschaulichen, wie mit einem universellen selbstadhäsiven Befestigungskomposit indirekte Restaurationen, sowohl selbstadhäsiv wie auch konventionell adhäsiv, befestigt werden können, und zeigen, dass universelle selbstadhäsive Befestigungskomposite im Praxisalltag das adhäsive Befestigen vereinfachen.

Vita
PD Dr. José Ignacio Zorzin ist seit 2009 als wissenschaftlicher Assistent und Zahnarzt an der Zahnklinik 1 (Zahnerhaltung und Parodontologie) des Universitätsklinikums Erlangen tätig; dort schloss er auch 2019 seine Habilitation ab. Für seine Forschung im Bereich der Bulk-Fill-Komposite hat er bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Dr. Zorzin ist Mitglied in verschiedenen Berufsverbänden und Fachlektor internationaler Fachzeitschriften wie dem Journal of Adhesive Dentistry und Clinical Oral Investi­gations.

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