Bericht

Labside & Prothetik

03.08.22

Wege zur stabilen Gingiva

Individuelle PEEK-Gingivaformer und Abformpfosten

Abformpfosten, Emergenzprofil, PEEK-Gingivaformer

Natascha Brand

Sowohl Behandler als auch Patienten stellen hohe Anforderungen an die moderne Implantattherapie. Die Behandlung soll für die Patienten möglichst komfortabel und effizient ablaufen, und die Implantatversorgung soll dazu beitragen, dass die periimplantären Gewebestrukturen langfristig erhalten bleiben. Zwei neue Tools, ein individueller PEEK-Gingivaformer plus Abformpfosten, sollen dem Zahnarzt das Weichgewebemanagement erleichtern.

Dank der neuen individuellen Dedicam PEEK-Gingivaformer und Abformpfosten (Camlog) eröffnen sich – je nach Anwenderpräferenz und Infrastruktur des behandelnden Teams – neue Möglichkeiten für ein naturkonformes Emergenzprofil, und das über unterschiedliche Wege.
Das anatomische Emergenzprofil kann, den Prinzipien des Backward Plannings folgend, schon bei der Implantatplanung festgelegt werden. Oder es erfolgt bei der Implantationssitzung vor dem Weichgewebeverschluss ein Intraoralscan der Implantatposition, um das Design gewebe-unterstützend zu gestalten. Dabei kann das Emergenzprofil anhand der Anforderungen an den Gingivaformer entweder direkt vom Anwender – in der Praxis oder dem Labor – oder vom Dedicam Scan & Design Service konstruiert werden.
Das gewählte Design kann ohne jeden Aufwand für den Kunden auf den Abformpfosten übertragen werden, sodass aus ein und demselben Datensatz der Gingivaformer und der Abformpfosten hergestellt werden können. Folglich sind die Gingivaformer einzeln oder im Set mit einem Abformpfosten bestellbar. Die Abformpfosten sind sowohl für die offene als auch die geschlossene Abformtechnik verfügbar.
Nach der Ausheilung des Weichgewebes findet der prothetisch tätige Zahnarzt eine anatomisch ausgeformte Mukosa vor, die mithilfe des formkongruenten Abformpfostens ohne Mehraufwand im analogen Verfahren in das Labor transferiert wird. Der ausgeformte Sulkus enthält Informationen, die zum Anfertigen individueller ästhetischer Versorgungen notwendig sind. Somit ist der Fertigungsprozess bis zum Eingliedern der finalen Prothetik wesentlich erleichtert, was sich auch auf den Patientenkomfort positiv auswirkt.

Herr Dr. Herzberg, wie gelingt es mit den individuellen PEEK-Gingivaformern und Abform­pfosten, ein anatomisches Emergenz­profil auszuformen?
Ein korrekt gestaltetes Emergenzprofil ist die Vorraussetzung für gesunde, langfristig stabile periimplantäre Verhältnisse und ein wichtiger Faktor zur Vermeidung einer Periimplantitis.
Wir arbeiten seit rund 18 Monaten mit den individuellen PEEK-Gingivaformern und den PEEK-Abformpfosten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der präzisen Übertragung des ausgeformten Emergenzprofils in das Dentallabor. In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass dies mit den bekannten, standardisierten Abformpfosten nicht möglich ist, da das Weichgewebe unmittelbar nach Entfernung des Gingivaformers kollabiert und eine korrekte Übertragung unmöglich macht. Man benötigt beim Einsatz individueller Gingivaformer also auch entsprechende Abformpfosten. Für den Einsatz der PEEK-Gingivaformer und Abformpfosten bieten sich verschiedene Behandlungsabläufe an:
In der „konventionellen“ Variante erfolgt wie üblich die Freilegung des Implantats und eine Abfomung mittels standardisiertem Abfompfosten. Im Anschluss wird ein standardisierter Gingivaformer eingebracht. Die Digitalisierung des Modells und die Herstellung des PEEK-Gingivaformers und PEEK-Abformpfostens kann je nach Absprache im Dentallabor oder direkt bei Dedicam erfolgen. In einem zweiten, zusätzlichen Behandlungsschritt wird dann der individuelle PEEK-Gingivaformer eingegliedert. Nach entsprechender Ausheilung und Ausformung, erfolgt dann die Abformung und Übertragung des optimierten Emergenzprofils mit dem formkongruenten PEEK-Abformpfosten. Diese Vorgehensweise erfordert zwar einen geringen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand, bietet jedoch dem Behandelnden eine deutliche Verbesserung der periimplantären Weichgewebe, ohne bekannte Abläufe in der Praxis ändern zu müssen – der perfekte Einstieg in die Digitialisierung.
Eine Alternative Vorgehensweise, die auch in unserer Praxis angewendet wird, ist die Indexierung der Implantatposition direkt während der Implantation. Dies kann sowohl konventionell mittels spezieller Schienen zur Fixierung der Implantatposition, oder digitial mittels Intaoralscanner und spezieller Scan-Abutments erfolgen. Da in diesem Fall die exakte Implantatposition bereits zum Zeitpunkt der Implantation bekannt ist, kann schon während der Einheilphase des Implantats die Planung des Emergenzprofils und die Herstellung des PEEK-Gingivaformers erfolgen. Die Eingliederung des individuellen Gingivaformers kann dann direkt zur Freilegung erfolgen. Durch dieses Vorgehen werden die Behandlungszeiten und auch die Kosten gegenüber dem vorgenannten Ablauf reduziert.

Welchen Tipp können Sie den Kollegen für das Handling geben?
Anfangs ist eine enge Abstimmung mit dem Zahntechniker beziehungesweise Dedicam bezüglich der optimalen Gestaltung des Emergenzprofils sinnvoll, insbesondere, wenn die Indexierung beziehungsweise der Scan direkt bei der OP erfolgt. Es bedarf, wie bei jeder neuen Technik, einer gewissen Lernkurve bis, alles perfekt funktioniert. Das Handling des PEEK-Gingivaformers und des Abformpfostens unterscheiden sich jedoch nicht wirklich von den Standardteilen – einer der Vorteile dieser neuen Technik.

Vita
Dr. Steffen Herzberg ist niedergelassen in Witten mit Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie und Referent im DGI-Master­studiengang Implantologie. Als Pilotanwender berichtet er über erste Erfahungen mit dem individuellen PEEK-Gingivaformer und dem entsprechenden Abformpfosten.

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