Interview

Labside & Prothetik

19.08.22

Damit alle profitieren

Das prothetische Behandlungsteam und der CMD-Patient

CMD-Behandlung, Teamfortbildung, Therapiekonzept

Natascha Brand

Die erfolgreiche Behandlung von CMD-Patienten verlangt nach einem Therapiekonzept, welches die Vorbehandlung und die definitive Therapie sinnvoll miteinander verknüpft. Damit sind Zahnmediziner und Zahntechniker gleichermaßen gefordert, entsprechende Kompetenzen zu erwerben und diese im prothetischen Therapieverlauf gezielt einzubringen. Wie das gelingt, zeigen die Funktionsexperten Prof. Dr. Ulrich Lotzmann, Dr. Johannes Heimann und Ztm. Bruno Jahn in einer praxisorientieren Fortbildung für Zahnärzte und Zahntechniker.

Herr Prof. Lotzmann, Sie haben schon vor mehr als 30 Jahren begonnen, zahnmedizinische Fortbildung zur CMD-Diagnostik- und Therapie anzubieten. Was hat Sie dazu bewogen?
Prof. Dr. Ulrich Lotzmann: Das Interesse an der Diagnostik und Therapie von craniomandibulären Dysfunktionen entwickelte sich bereits im Studium. Meine erste zahnmedizinische Fortbildungsveranstaltung für Zahmediziner, damals zusammen mit Prof. Georg Meyer, abgehalten in Kiel, liegt nun schon 35 Jahre zurück.
Mein besonderes Interesse an Okklusion und Funktion hat sich aber bereits vor dem Studium während meiner Zahntechniker-Lehre entwickelt. Ich erinnere einen Kunden, der explizit forderte, den festsitzenden Zahnersatz mit „Postkartenstärke Luft“ zu den Antagonisten zu gestalten, um so die Notwendigkeit okklusaler Korrekturen zu minimieren. Ärgerlich und frustrierend war es auch, wenn man liebevoll aufgewachste und ausgearbeitete Kronen und Brücken, vom Behandler mit dem Heatless zur okklusalen Unkenntlichkeit verschliffen, zurückbekam. Damit musste man täglich rechnen. Und die Frage nach den Ursachen weckte damals mein Interesse an Okklusion und Funktion.
Die Funktionslehre bildet nicht nur eine gemeinsame Schnittmenge aller Teilgebiete der Zahnheilkunde, die in die Okklusion eingreifen, sondern bezieht auch medizinische Fachdisziplinen wie Orthopädie und HNO mit ein. Das ist für mich auch heute noch herausfordernd und spannend, aber auch faszinierend zugleich.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie man ruhigen Gewissens ohne solide Kenntnisse über Okklusion und Funktion zahnmedizinisch und zahntechnisch tätig sein kann. Therapeutische Fehler sind so vorprogrammiert. Einige dieser Fehlbehandlungen münden in Gerichtsverfahren, andere machen teure Nachbehandlungen und Neuanfertigungen erforderlich – kurzum, sie verursachen für das zahnärztliche/zahntechnische Team unnötigen Stress, kosten Geld und Zeit sowie manchmal auch Reputation. In schwerwiegenden Fällen erleidet allerdings der Patient den größten Schaden.
Lassen Sie mich kurz auf typische Gründe für eine insuffiziente Okklusionsgestaltung eingehen, die leider gestern wie heute Ursache für therapeutische Misserfolge sind:
– Keine oder eine insuffiziente Funktionsdiagnostik zur Abklärung, ob und welche funktionelle Prä-Therapie erforderlich ist.
– Keine, nicht indizierte oder fehlerhaft ausgeführte Vorbehandlung
– Keine korrekte Kieferrelationsbestimmung in einer physiologischen oder zumindest adaptierten Kiefergelenkposition. Auffällig ist hier, dass oftmals nicht viel Wert darauf gelegt wird, die stabile und komfortable Okklusion, als Ergebnis der erfolgreichen Vorbehandlung, auf die definitive Rehabilitation zu übertragen.
– Insuffiziente Okklusionsgestaltung und/oder -adjustierung
Ein wesentliches Ziel unseres kompakten Curriculums besteht zum einen darin, den Teilnehmern die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Diagnostik und Therapie von CMD-Patienten zu vermitteln, zum anderen werden diese Kenntnisse auch helfen, im Sinne einer Funktionsprophylaxe Fehler zu vermeiden. Das schont die Nerven des Behandlungsteams, spart Zeit und Geld und erhöht zudem den beruflichen Spaßfaktor.

Herr Dr. Heimann, Sie sind niedergelassen in einer Privatpraxis und haben einen Tätigkeitsschwerpunkt in der restaurativen Funktionsdiagnostik und -therapie. Wie passt das zusammen?
Dr. Johannes Heimann: Die restaurative Funktionsdiagnostik und -therapie ist für mich ein sehr wichtiger Baustein, Patienten richtig zu diagnostizieren und qualitativ hochwertig prothetisch zu versorgen.
Dabei dient die Funktionsdiagnostik dazu, den CMD-Patienten zu erkennen und dann richtig zu therapieren. In diesem Curriculum wird neben der Funktionsdiagnostik auch ein prothetisches Gesamtkonzept gelehrt, welches bei allen Patienten angewandt werden kann.

Herr Jahn, Sie arbeiten schon seit vielen Jahren erfolgreich als zahntechnischer Teampartner mit Dr. Heimann zusammen. Wie definieren Sie Ihre Aufgabe im Therapieverlauf des prothetischen Behandlungsteams?
Ztm. Buno Jahn: Nicht alle CMD-Therapien münden in eine prothetische Rekonstruktion. Oft kann den Patienten auch bereits mit einer Schiene geholfen werden. In beiden Fällen ist die Übertragung der UK-Position von entscheidender Bedeutung. Das im Labor sicherzustellen ist ein wichtiger Punkt. Ein weiterer ist die Gestaltung der neuen Okklusion. Eine stabile Statik herzustellen, scheint auf den ersten Blick nicht so schwer zu sein. Allerdings gelingt das nur, wenn wir uns ein möglichst präzises Bild von den tatsächlichen Bewegungsabläufen des Unterkiefers machen können. Dazu dienen dynamische Registrate und die instrumentelle Funktionsanalyse. Die Umsetzung erfolgt dann in einem geeigneten Artikulator, egal ob manuell oder digital.

Was machen erfolgreiche Behandlungsteams in der Therapie funktionell anspruchsvoller Patientenfälle besser – beziehungsweise wo sehen Sie die entscheidenden Stellschrauben, die jeder Einzelne im Team individuell drehen kann?
Jahn: Wir haben in der Zusammenarbeit mit Dr. Heimann viele Schritte standardisiert. Dadurch wird vieles einfacher. Die Zusammenstellungen der kleineren Standards ergeben dann den konkreten Therapieplan. Wird in einem konkreten Fall die prothetische Rekonstruktion erforderlich, ist es für mein Verständnis unumgänglich, in der Zahnarztpraxis an dem Patientengespräch teilzunehmen, und zwar so früh wie möglich, also vor dem Wax-up. Hier werden die Wünsche und unsere Möglichkeiten besonders unter dem Aspekt der Materialwahl sorgfältig abgewogen.

Wo sollte der behandelnde Zahnarzt bei einem Patienten mit craniomandibulären Symptomen zunächst ansetzen…
Lotzmann: Auch wenn es manchem mühsam erscheint, aber die Basis für eine zielgerichtete Therapie ist neben der Erhebung des oralen Befundes immer eine eingehende Anamnese und klinisch/manuelle Funktionsdiagnostik, im Bedarfsfall durch bildgebende Verfahren ergänzt. Bis auf wenige Ausnahmen sollten beim dekompensierten CMD-Patienten keine definitiven Eingriffe in die Okklusion erfolgen.

… und wann ist der richtige Zeitpunkt, den Zahntechniker an Bord zu holen?
Heimann: Bei komplexen Fällen so früh wie möglich, um zum einen die Patientenwünsche zu erörtern und zum anderen die technischen und medizinischen Möglichkeiten im Team zu besprechen
Jahn: Natürlich immer dann, wenn eine zahntechnische Leistung erforderlich ist, zum Beispiel bei der Anfertigung einer Schiene.
Lotzmann: Es ist erstaunlich, was selbst bei der Planung, Herstellung und Eingliederung einer Okklusionsschiene falsch gemacht werden kann und wird.

Worin liegen die häufigsten Fehler in der Zusammenarbeit im prothetischen Team…
Lotzmann: Wie in jeder gestressten Partnerschaft oder Ehe sind es mangelndes Verständnis und mangelnde Absprache. Man spricht nicht die gleiche Sprache, hat nicht die gleichen Ziele.
Heimann: Fehlende Kommunikation auf Augenhöhe. Hierzu gehört auch Kritik, nur so kann man sich verbessern!

… und was kann jeder einzelne im Team tun, um diese Fehler zu vermeiden?
Jahn: Wir haben in der Vergangenheit auch nach dem Curriculum einige Teams begleitet. Auffällig war, dass es immer dann zu Problemen kam, wenn die Fälle zu umfangreich waren. Hier gilt: „Vom Kleinen zum Großen“ und „Übung macht den Meister“. Ein weiterer Punkt ist die mangelnde Bereitschaft, einen Arbeitsschritt, der nicht gelungen ist, zu wiederholen.

Das „Curriculum Funktionsdiagnostik und Restaurative Therapie“ richtet sich bewusst an das ganze Behandlungsteam. Inwiefern profitieren Zahnarzt und Zahntechniker, wenn sie als Team am Curriculum teilnehmen?
Jahn: Komplexe CMD-Therapien, die in die prothethische Rekonstruktion münden, sind immer eine Teamleistung. Sie gelingen nur im perfekten Zusammenspiel zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient. Insofern profitieren alle davon, wenn die Teamleistung stimmt!

tw Service
Das Curriculum Funktionsdiagnostik und Restaurative Therapie ist eine zertifizierte Fortbildung, die dem prothetischen Behandlungsteam mehr Sicherheit in Diagnostik und Therapie funktionell geschädigter Patienten gibt. Die Fortbildung umfasst insgesamt fünf Module. In drei 1,5-tägigen Präsenz-Demonstrationskursen, die teilweise am Patienten stattfinden, und zwei Online-Modulen werden die Aspekte der restaurativen Funktionsdiagnostik erarbeitet und direkt mit den Gesichtspunkten der restaurativen Therapie verknüpft.

Verbessern Sie Ihre prothetische Erfolgsrate und sichern Sie sich noch einen der letzten Plätze im Curriculum zum Frühbucherpreis bis 15.9.22 – am besten mit Ihrem Teampartner!

Anmeldung unter:
https://www.teamwork-campus.de/project/curriculum-funktionsdiagnostik-2022-2023/
campus@teamwork-media.de

Fon +49 8243 9692–0

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